Unten sieht man die ersten Bilder die ich vor dem "Neuanfang", Mitte Januar 2009 gemacht habe. Das Aquarium steht zwar seit Anfang 2003 aber ich hatte das Becken seit Anfang 2005, nach einem zu spät erkannten "Schwermetallunfall" nicht mehr intensiv gepflegt und betreut. Es lief seit dieser Zeit, technikgestützt (Nachfüllung etc.), mehr oder weniger von alleine vor sich hin. Standzeit des Beckens bis Jan 2009 war also knapp 6 Jahre. Diverse Algenplagen kamen und gingen, ohne dass mich dies gestört hat. Die Doktorfische und einige kleiner Aufwuchsfresse sind bei guter Gesundheit, ohne Zusatzfutter über die Jahre gekommen :-), alle Korallen und die meisten anderen Niederen Tiere waren damals leider kaputt gegangen ohne dass ich dies rechtzeitig hätte verhindern können. Für die "Wohnungsoptik" war es in sofern kein Problem dass das Becken bei uns im Keller steht, sonst hätte meine Frau schon früher gemeutert ;-). Ich habe Ihr dann aber 2008 versprochen dass ich das Becken wieder auf Fordermann bringe. Dabei hat es mir gegrausst davor das ganze Becken auszuräumen und wieder ganz von vorne anzufangen. Aus dem Grund habe ich Anfang 2009 einfach einen Versuch unternommen das Becken ohne Ausräumen, mit dem vorhandenen Aufbau und Wasser, wieder gut "ans Laufen" zu bekommen.
Das Aquarium war zu dem Zeitpunkt vollständig durchwuchert mit Caulerpa Racemosa Algen. Diese sind in Intervallen von ca. einem Jahr immer wieder durch sexuelle Vermehrung abgestorben und haben dann einige Monate später, aus minimalen Anfängen binnen kurzer Zeit das Becken wieder vollständig überwachsen. In der Caulerpa freien Zeit hatten die Kugelalgen das Becken und den Riffaufbau fest im Griff (in mehreren Schichten übereinander). Die Kugelalgen haben auch unter den Caulerpas monatelang problemlos überlebt. Begonnen habe ich damit 2 Putzeimer voll, mit sich in Auflösung befindlichen Caulerpas, rauszureissen - so sauber wie es eben möglich war. Leider habe ich keine Bilder aus der Zeit bevor ich angefangen habe mit den Arbeiten, damals hatte ich keine Lust zum fotografieren, weil ich auch selbst noch nicht richtig überzeugt war ob das funktioniert was ich vor hatte. Aber einge der folgenden Bilder verdeutlicht sicher den Zustand damals ;-)
Die geplante Strategie war die. Als erstes wollte ich Minimalvorraussetzungen schaffen für den testweisen Einsatz einiger erster anspruchsloser Tiere, einfache Weich- und Steinkorallen, um zu sehen ob sich überhaupt das Wasser von den Giftstoffen in der Zwischenzeit regeneriert hatte und das Becken damit Vorrausetzungen bot für den Neustart, ohne Ausräumen. Dieser Versuch hat geklappt und die Tiere (Xenia, Capnella, Montipora) sind erstaunlich gut gestanden. Diese Erkenntniss hat mich ermutigt meinen Plan weiter zu verfolgen. Ich habe Schritt für Schritt die gesamte Technik wieder in Ordnung gebracht und in Betrieb genommen. Das heist, alle Pumpen zerlegt gereinigt, ebenso die Leitungen gereinigt. Die Brenner und Röhren ersetzt, die ja mehrere Jahre in Betrieb waren. Einen leistungsfähigen Abschäumer wieder in Betrieb genommen und dergleichen mehr.
Dann habe ich die am stärksten mit Kugelalgen bewachsenen toten Korallenstöcke abgebrochen und dort wo das nicht möglich war die Flächen einfach mit sauberem Riffgestein (trocken) abgedeckt. Zudem habe ich allen erreichbaren und über die Jahre angesammelten Mulm abgesaugt. Im nächsten Schritt habe ich massiv Algenfresser "aufgerüstet". Viele und unterschiedliche Einsiedler und Schnecken, unterschiedliche Seeigel (am Anfang 9 Stck), überwiegend der Gattung Tripneustes, 2 Percnon Krabben. Doktoren hatte ich ja schon drinnen, diese Truppe habe ich durch ein Fuchsgesicht (Siganus vulpinus) verstärkt, wegen der Kugelalgen.
Das Wasser habe ich mittels der Balling Methode über mehrere Wochen hinweg wieder auf gute Werte gebracht. Nährstoffe war eh wegen des geringen Besatzes und der vielen Algen an der Nachweisgrenze. Aber Calcium und Magnesium waren natürlich unter ferner liefen ;-)
Parallel dazu habe ich versucht durch schrittweisen Besatz mit Korallen ein Gegengewicht zu den Algen aufzubauen um diese dadurch langsam zurück zu drängen. Wenn Steinkorallen gute Wasserbedingungen vorfinden und gedeihen sind sie hervorragende Nährstoffkonsumenten die den Algen nicht viel übrig lassen zum wachsen. In der Natur sieht man immer dort verstärktes Algenwachstum wo das Wasser eutophiert und mit Trübstoffen belastet ist. Damit werden die Bedingungen für Algen besser und für Steinis schlechter. Oder wie man in einem der Fossa/Nilsen Büchern sehen kann, wenn man bewusst aus einem abgegrenzten Areal alle algenabweidenden Tiere entfernt.
Über die Monate hat sich gezeigt dass diese Strategie, die uns die Natur schliesslich vor macht, funktioniert. Die Algen werden immer mehr zurückgedrängt und finden sich nur noch in Resten an den für die Algenfresser schlecht zugänglichen Stellen. Parallel dazu entwickeln sich die Korallen ausgezeichnet und zeigen mangels "Feinddruck" auch am Tage ein hervorragendes Polypenbild. Einige der Seeigel habe ich zwischenzeitlich wieder aus dem Becken entfernt und an andere abgegeben. Die Percnon Krabben leisten nach wie vor gute Dienste an für andere Algenfresser schlecht zugänglichen Stellen und sie sind gut geeignet um die Rippen in den Strömungspumpen sauber zu halten, was sie bei mir mit Hingabe tun ;-)
Die Erkenntnis meinen oben geschilderten Beobachten kann möglicherweise auch für andere nützlich sein die mit Algenplagen zu kämpfen haben. Oftmals ist mir in solchen Becken schon aufgefallen, dass viel zu wenig und vor allem auch nicht genügend unterschiedliche Algenfresser präsent sind. Darüber hinaus stagniert aus unterschiedlichen Gründen der Stoffumsatz der Korallen, was den Algen hinsichtlich der Wachstumsbedingungen dann Vorschub leistet. Den Algen ist letztlich nur Herr zu werden, wenn man das Problem mehrgleisig angeht, sowohl durch starken "Fressdruck" als auch durch Optimierung der Haltungsbedingungen für die anderen Korallen. Und dann braucht man Zeit und Geduld ;-)
Natürlich ergeben sich immer wieder neue Aufgabestellungen. Die anfangs eingebrachten Weichkorallen, wie Xenia, die den Algen den Platz streitig machen sollten müssen nun selbst unter Kontrolle gehalten werden, damit sie nicht zu einer ähnlichen Plage werden wie zuvor die Algen. Durch Fütterung mit Suspensionsfutter wachsen Schwämme und andere Filtrierer sehr gut und auch die Korallen haben trotz dem sehr nährstoffarmen Milö ein sehr gesundes Gewebe und ein tolles Polypenbild. Allerdings gefällt solcher Futtersegen auch den Glasrosen ;-) Trotzdem dass ich bei jedem Kauf von Steinen/Ablegern akribisch darauf geachtet habe dass keine Glasrose oder anderes unerwünschtes Getier (Planarien etc.)an den diesen sitzt sehe ich zwischenzeitlich da und dort schon wie die Glasrosen erscheinen und gut wachsen. Zu dem Zweck und um eine Massenvermehrung zu vermeiden haben ich jetzt (Stand 06-2009) mal ein Pärchen Wurdemanni Garnelen ins Becken gesetzt. Mal sehen was passiert? Die grossen Glasrosen werde ich auf alle Fälle manuell "wegspritzen", denn in früheren Jahren habe ich die Erfahrung gemacht dass Wurdemanni Garnelen an grossen Glasrosen nicht interessiert sind, sondern diese nur angehen, so lange sie noch klein sind. Fische als Glasrosenfresser, wie Chelmon oder der Tangfeilenfisch haben den Nachteil dass sie auf Dauer meist gehörigen anderen Schaden anrichten. Meiner Erfahrung nach sind mit diesen beiden Fischen Röhrenwürmer, LPS Korallen und zuweilen auch Tridacna Muscheln in grosser Gefahr und können dauerhaft meist nicht mehr gepflegt werden.
Wer Fragen hat, oder sich auf der Site weitere Informationen wünscht kann mir gerne eine E-Mail schreiben.